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BeitragVerfasst: 08.07.2007, 13:09 

Registriert: 20.06.2007, 00:27
Beiträge: 227
Wohnort: der hohe Norden :-)
Blog: Blog lesen (1)
Mehr als die Hälfte aller reifen Neugeborenen entwickeln zwischen dem 3. und 10. Lebenstag einen physiologischen Ikterus (Gelbsucht). Meist beginnt dieser 3 Tage nach der Geburt und erreicht seinen Höhepunkt so am 5. Lebenstag.
In der Regel fällt die Gelbfärbug zuerst im Gesicht auf und breitet sich dann kaudal (steißwärts) aus.
Bei Frühgeborenen kann der Ikterus ausgeprägter sein, das Maximum des Bilirubinanstiegs tritt später auf und der Ikterus hält länger an.

Bilirubinstoffwechsel

Die im Blut befindlichen Erythrozyten (rote Blutkörperchen) werden hauptsächlich in der Milz abgebaut. Dabei wird aus dem Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) *indirektes Bilirubin= gelblich und wasserunlöslich sowie *Globin= Eiweiß, welches zerfällt.
Das indirekte Bilirubin lagert sich im Blut (Plasma) am Albumin (Eiweiß) an und gelangt so in die Leber. Hier wird es durch Glukuronsäure in ein direktes (wasserlösliches) Bilirubin umgewndelt und über die Galle in den Darm ausgeschieden. Ein großer Teil wird in Stoffe umgewandelt, die für die Braunfärbung des Stuhles verwantwortlich sind. Ein Teil der Farbstoffe wird resorbiert (ins Blut aufgenommen) und gelangt so durch die Nieren in den Urin und färben ihn gelb.

Da die Lebensdauer der Erythrozyten kürzer ist (Neugeborene 70-90 Tage; Erwachsene -120 Tage)
und die Umwandlung von indirektem zu direktem Bilirubin durch die Leber, die noch nicht voll entwickelt ist, langsamer vorsich geht, kommt es bei allen Neugeborenen zu einem Anstig des indirekten Bilirubins; Mal mehr mal weniger ausgeprägt.
(physiologisch= Icterus neonatorum)

Je nach Ausprägung bzw. Laborwert (nach einer Blutentnahme), bei denen es festgelegte Grenzen gibt, wird die Art des Ikterus festgestellt und über die Therapie entschieden. Denn leider kann es auch zu Komplikationen führen.
Normalerweise schützt die Blut-Hirn-Schranke vor dem Eindringen schädlicher Stoffe ins Gehirn, so auch vor dem Übertritt des Bilirubins aus dem Blut in das Gewebe des Gehirns. Überschreitet die Gesamtbilirubinkonzentration einen bestimmten Wert (18-20mg/dl beim Neugeborenen) geht die Bindungsfähigkeit an das Albumin größtenteils verloren. Somit kann indirektes Bilirubin ins Gehirn übertreten und sich dort in den Stammganglien anlagern. = Kernikterus
Die Nervenzellen, die für die Steuerung der Bewegung zuständig sind, werden geschädigt, so daß die Kinder mit einem Kernikterus spastische Lähmungen entwickeln. Bei sehr unreifen Frühgeborenen wurde ein Kernikterus schon bei einer Bilirubinkonzentration von 5-10md/dl festgestellt. Denn auch die Blut-Hirn-Schranke ist durch die Unreife gestört.

Deshalb ist die genaue Kontrolle und Beobachtung des Allgemeizustandes sowie eine adäquat eingesetzte Therapie äußerst wichtig.

Symptome einer Hyperbilirubinämie sind unter anderem
Schlappheit
großes Schlafbedürfnis
Trinkschwäche/-unlust
gelbe Haut und Skleren
dunkelgelber bis bierbrauner Urin

Therapie
Da indirektes Bilirubin durch blaues Licht in wasserlösliches umgewandelt werden kann, ist eine einfache, aber wirkungsvolle Therapie bei der gering ausgeprägten Hyperbilirubinämie die Phototherapie.
Die fahrbare Phototherapielampe besteht aus speziellen blauen Leuchtstoffröhren. Diese wird in einem vom Hersteller vorgegebenem Abstand (normalerweise 40 cm) über dem Kind platziert, um Verbrennungen zu vermeiden. Dazu wird das entkleidete Kind in ein Wärmebett mit Deckel oder einen Inkubator parallel zur Lampenachse gelagert. Am besten geeignet sind Bauch- und Rückenlage, da so große Hautareale dem Licht ausgesetzt werden. Allerdings behält es die Windel als Gonadenschutz an oder bekommt einen anderen kleinen Windelersatz. Desweiteren steht der Schutz der Augen (Netzhautschäden) im Vordergrund. Deshalb bekommt das Kind eine spezielle Schutzbrille aufgesetzt. Andere Patienten werden durch eine um das Bett, den Inkubator führende Folie vor der Strahlung geschützt.
Die Phototherapie wird wenn möglich intermittierend, also mit dazwischenliegenden kleinen Pausen vorgenommen, um Erholungsphasen für das Kind zu ermöglichen. So kann auch bei Besuch der Eltern der Kontakt zwischen diesen und dem Kind weiter gefördert , das gestillte Kind in dieser Zeit angelegt werden.

Bild
Phototherapie


Die Dauer der Phototherapie wird durch den Arzt bestimmt, der in regelmäßigen Abständen Blutentnahmen zur Bestimmung der aktuellen Bilirubinkonzentration durchführt.

Da mit der Phototherapie ein erhöhter Flüssigkeitsverlust einhergeht und die Kinder oft dünnere und häufigere Stühle entleeren, muß eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gewährleistet werden. Dies ist oft nur durch eine zusätzliche Infusionstherapie möglich. Durch die zusätzliche Trinkschwäche ist häufig eine Magensonde notwendig, über die die Nahrung zugeführt werden kann.
Außerdem werden die Kinder in der Regel Monitorüberwacht, da es bei stark erhöhter Bilirubinkonzentration zu Auffälligkeiten wie *Krampfanfällen sowie *apnoebedingte Bradykardie

Wichtig für das Kind ist auch während einer Phototherapie das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit.
Um dem Kind die unangenehme Situation zu erleichtern ist das Lagern in einem Nest ratsam. Außerdem ist die Stimulation des Kindes durch z.B. eine Spieluhr und vor allem durch Streicheln, Ansprache und engem Körperkontakt mit den Eltern wichtig.

Bei Stillkindern kann der Ikterus über mehrere Wochen bestehen, dieser wird Muttermilchikterus genannt.
Doch auch hier sollten Kontrollen vorgenommen werden, um eine eventuelle Erkrankung auszuschließen.


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BeitragVerfasst: 21.07.2007, 12:58 

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